Ich war genau 27 Jahre alt, als mir mein zweites Leben geschenkt wurde. Es war die sowohl schlimmste aber gleichzeitig auch intensivste und schönste Zeit meines bisherigen Lebens.

Ich hatte bei einer  Untersuchung erfahren, dass ich vielleicht noch ein halbes Jahr zu leben hätte. Aufgrund eines Aneurysmas und eines Herzklappenfehlers drohte meine obere Aorta zu reißen. Es gab daraufhin nur 2 Möglichkeiten – aufgeben, oder eine mehrstündige Ross-Operation, bei der meine Herzklappe durch die eines Spenders ersetzt werden sollte – außerdem sollte meine Aorta durch eine Art Schlauch ersetzt werden um so mein Leben zu retten. Natürlich klammerte ich mich an die zweite Möglichkeit und wollte um mein Leben kämpfen. Die Pläne erschienen mir dennoch wie ein schlechter Horrorfilm als man mir davon beim ersten Termin berichtete.

Jeder der schon einmal eine Operation hinter sich gebracht hat, wird meine Angst nachvollziehen können das eigene Leben in fremde Hände zu geben und darauf zu hoffen, dass alles gut gehen wird.

Tick tack – die Zeit ist knapp

Die größte Angst in dieser Zeit war aber die Ungewissheit wie lange man noch leben wird. Monate, Wochen oder Tage? Jederzeit könnte meine Aorta reißen und damit meine Chance auf eine OP verhindern. Jeder Moment könnte der letzte sein, und ich fühlte mich wie eine tickende Zeitbombe die im nächsten Moment explodieren könnte. Es ist wirklich ein sehr beklemmendes Gefühl zu wissen, dass deine Lebenszeit in so jungen Jahren abläuft. Die Zeit bis zur OP musste ich auf ein Spender-Organ warten und auch dies war kein schöner Gedanke – schließlich bedeutete es, darauf zu warten, dass jemand anderes sein Leben verliert, damit ich meines weiter leben kann.

Das größte Geschenk meines Lebens ist mein zweites Leben

Ich lenkte mich in dieser Zeit viel mit Arbeit und lieben Personen um mich herum ab. Ich hörte immer auf mein Herz und tat wonach mir war – immer mit dem Gedanken, das dieser Moment vielleicht der Letzte ist. Immer wieder stellte ich mir die gleiche Frage: Warum ich? Warum jetzt? Ich bin doch noch so jung und mein Leben begann gerade so schön zu sein und ich wollte es genießen. Ich war definitiv noch nicht bereit zu sterben – das ist man natürlich nie, aber ich empfand es als extrem ungerecht.

Drei Monate später, war es endlich soweit und ich wurde ins Krankenhaus nach Lübeck bestellt. Als ich meine Augen wieder öffnete, wusste ich, dass ich die Operation überstanden habe und jetzt mein neues Leben beginnen würde. Klar hatte ich Schmerzen und die Heilung dauerte lange. Dennoch verstand ich, dass ich eine zweite Chance bekommen habe. Ich versprach mir selbst, auf mich und meine Gesundheit zu achten. Das alles war vor drei Jahren.

Was habe ich mit dieser Zeit bisher gemacht?

Diese Frage stellte ich mir danach immer wieder. Ich wollte meine Zeit wertvoll gestalten, ich fühlte mich meinem Spender, meinem Arzt und natürlich auch mir selbst gegenüber dazu verpflichtet. Daher stellte ich mich immer wieder selbst auf die Probe und fragte mich: „Bist du wirklich glücklich? – Hast du deine Ziele erreicht? Wie soll es weitergehen? Bist du ehrlich zu dir selbst?“

Wir alle stellen uns diese Fragen, bei denen es um unser eigenes Leben und unser Glück geht, viel zu selten. Niemand hat so einen großen Einfluss auf unsere Zeit wie wir selbst und dennoch sind viele Menschen nicht bereit für Veränderungen. Wir genießen das bequeme Leben und sind froh wenn alles so bleibt wie es ist. Wir befinden uns in der berühmten Komfort-Zone. Bei mir persönlich hat genau dieses Foto mein Denken über mein Leben verändert. Warum ausgerechnet dieses Bild zeigt es doch nur ein Portrait wie viele andere auch?

Es ist ein Blick in die Vergangenheit und wie ich mich in dieser Zeit gefühlt habe. Ich schaue mir in die Augen und denke darüber nach ob ich ehrlich zu mir selbst bin, und ob ich der Person auf diesem Bild das gegebene Versprechen der intensiven Lebenszeit erfüllt habe. Dieses Foto hat mein Freund Daniel von mir bei einem Spaziergang nach der Operation aufgenommen. Ich war endlich wieder angekommen und realisierte das ich alles gut überstanden hatte. Man sieht wie glücklich ich war und ich erinnere mich daran wie ich jedem Menschen mit stolz über meine schwere OP erzählt habe. Ich war stolz und glücklich noch zu leben. In diesen Momenten war ich ehrlich zu mir selbst und sehr dankbar.

Der Mensch sagt, die Zeit vergeht. Die Zeit sagt, der Mensch vergeht

Dieses Zitat sagt sehr deutlich, wie wir unsere Zeit verschwenden und an uns vorbei ziehen lassen. Nur wir können sie verändern und so gestalten wie wir es möchten, dazu gehören viele große und kleine Veränderungen im Leben. Lass deine Zeit nicht sinnlos verstreichen. Versuche sie so interessant und schön zu gestalten wie du nur kannst, sodass du am Ende mit stolz darauf zurückblicken kannst und all die Dinge die du machen wolltest auch wirklich gemacht hast.

Auch Daniel und mir kam im Jahr 2016 der Gedanke etwas zu verändern. Da wir bisher noch keine Familie geplant haben oder uns ein Haus oder eine Wohnung kaufen wollten, blieb nur unsere gemeinsame Leidenschaft fürs Reisen weiter auszubauen. Also beschlossen wir nach einiger Überlegung eine Auszeit zu nehmen und unser Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Wenn nicht jetzt wann dann?

Wir kündigen unsere Wohnung, unsere Jobs und verkaufen unser Hab und Gut um uns auf die Reise zu machen, die wir in unseren Gedanken und Wünschen immer machen wollten. Ob dies die richtige oder falsche Entscheidung war, könnt ihr hier auf unserem Blog mit verfolgen. Für uns, ist es ein großes Abenteuer und eine spannende Erfahrung die wir gemeinsam erleben wollen und an die wir uns ein Leben lang erinnern werden.

Mein Rat an dich

Finde und entwickle deine Stärken – arbeite jeden Tag an ihnen. Setze dir Ziele und versuche diese umzusetzen. Dein Leben ist wie ein Blatt Papier, das jederzeit ausgelöscht werden kann. Du entscheidest, ob es leer bleibt oder vorher bunt beschrieben wurde. Du hast den Einfluss dein Blatt zu gestalten – mit schönen und spannenden Geschichten. Daher nutze jeden Tag. Wir freuen uns über Kommentare von dir, wie du in dein Leben bunter machst, oder worauf du besonders stolz bist.

Viel Erfolg und viele Grüße
Santa